Jagdleidenschaft

Australien ist unglaublich gut im Verwerten von Dingen. Jedes noch so kleine Dorf hat mindestens einen Op-Shop. Da kriegt man zum kleinen Preis alles, was man zum Leben braucht. Möbel, Bettwäsche, Geschirr, Kleidung Spielzeug, Werkzeuge, Fahrräder, Bücher, CDs, einfach alles, natürlich nicht neu, sondern second hand.

Op-Shops werden meistens von sozialen oder kirchlichen Einrichtungen geführt und mit den Einnahmen werden soziale Anliegen finanziert. Aber es gibt auch private Händler. Den Unterschied sieht man meistens am Preis. Viele der Op-Shops sind eine Mischung aus Antiquariat und Gebrauchtwarenladen. Hier in Victor Harbor gibt es ungefähr 10 Op-Shops für etwa 16000 Einwohner. Was sie alle gemeinsam haben ist die unglaubliche Vielfalt der Waren und der vergleichsweise günstige Preis. Es lohnt sich immer reinzugehen und zu stöbern.

Auch das findet man im Op-Shop: alles, was gespendet wird, findet Verwendung

Bei uns wird zu viel weggeworfen und so manch einer findest es sogar unangenehm, gebrauchte Dinge zu benutzen. Ich würde zuhause viel mehr aussortieren, wenn ich wüsste, dass dafür noch Verwendung ist. Brauchbare Dinge, oder überflüssiges Material wegzuwerfen finde ich unmoralisch, ich habe ein Problem damit. Also behalte ich dann eher das Zeug, obwohl ich es nicht wirklich brauche. Nicht das Geld ist dabei entscheidend, sondern einfach der Gedanke an die Ressourcen, an die viele Energie, die in allem steckt und dass wir sehr unverantwortlich handeln, wenn wir Dinge unbedacht im Müll entsorgen.

Hier geht man sogar noch weiter in den Entsorgungsprozess, als nur in den Op-Shops. Jede Mülldeponie hat eine Verkaufshalle. Was immer als noch brauchbar erachtet wird, landet in der großen Halle. Materialreste, Holz, Baustoffe usw., auch Möbel, Lampen Geschirr kann man dort kaufen. Man kann in der großen Halle herumspazieren und findet garantiert irgendein Juwel. Unglücklich war ich nur über die Fahrräder, die im Außenbereich mit platten Reifen vor sich hin rosten und dennoch relativ viel Geld kosten. Zum Beispiel ein altes Fahrrad für 50 Dollar (das sind etwas mehr als 30 €) braucht eine Generalüberholung und neue Reifen. Wenn ich das zum Kaufpreis addiere, dann wird es mitunter teurer als ein brandneues Rad aus chinesischer Produktion und es bleibt dennoch ein altes Fahrrad.

Nundenn, das Einkaufen in den Op-Shops heizt unsere Jagdleidenschaft an und es kann zu einer richtigen Passion werden, als Ausdruck unserer grundsätzlichen Einstellung zum Thema Konsum. Ich kenne Leute, die prinzipiell nur in Op-Shops kaufen. Nur was dort absolut nicht zu kriegen ist, wird im normalen Laden gekauft. Ich selber gehe gerne auf Materialsuche, kaufe Stoffreste, Garne, ungewöhnliches Papier oder kleine Häkeldeckchen, die ich umfunktionieren möchte. Auch ein Fahrrad habe ich aus dem Op-Shop. Hier bei uns in der Küche steht ein kleines Sofa aus dem Op-Shop (für 20 Dollar), das passt nicht nur sehr gut rein, sondern ist auch noch verdammt gemütlich. Da sitze ich nun und grüble darüber nach, warum das mit den Op-Shops bei uns nicht funktioniert.

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