Kifferparadis Nimbin

Nimbin ist wohl die verrückteste Stadt in Australien. Nicht nur, dass es ein Sammelbecken für all diejenigen ist, die nicht in die Gesellschaft passen, es ist auch ein Paradis für Kiffer. Es wäre jedoch nicht fair, nur auf die Drogen zu zeigen. Die Gegend ist auch bekannt für alternative Lebensformen und ökologischen Landbau. Unzählige Kommunen haben sich im Umkreis von Nimbin gebildet, manche sind wirtschaftlich recht erfolgreich.

Abends in Nimbin

Alles hat damals in den 70ern mit dem Aquarius-Festival angefangen. Die Hippies von damals sind inzwischen in die Jahre gekommen, aber die Stadt ist immer noch knallbunt wie zu Hippiezeiten. Man trägt bunte, schrille Klamotten, lange Rastalocken und geht barfuß, auch die alten Hippies. Manche haben Gehhilfen oder einen Rollator.

Ungebrochen ist die Liebe zu Hanfprodukten. Marihuana ist immer noch illegal, wird aber toleriert wenn es nicht zu viel ist. Hanf wird hier regelrecht vergöttert, und weil man das offiziell nicht an dem Teil der Pflanze festmachen kann, der die Droge liefert, sind es eben andere Hanfprodukte, wie z.B. Stoffe aus Hanf, T-Shirts, Unterhosen, Cremes, Öl und sogar Särge, die man in den zahlreichen Touriläden kaufen kann. Manche Geschäfte verkaufen auch Zeugs, das noch heftiger wirkt als Marihuana. Was nicht ausdrücklich verboten ist, ist legal, auch wenn es einem das Hirn wegpustet, wie man von einigen Pizen behauptet. In der Hauptstraße wird alle 10 Meter mit Marihuana gedealt. Ob dabei auch andere Drogen verkauft werden kann ich nur ahnen, wahrscheinlich ja.

Unterhosen aus Hanf
Im Schaufenster der Hemp Embassy u.a. ein Sarg aus Hanf

Auch sonst ist Nimbin recht ungewöhnlich. Jeden Freitagabend versammeln sich in der Hauptstraße Leute mit Trommeln, Rasseln und was sonst noch laut ist. Wer auch immer Lust dazu hat, trommelt wild drauf los oder tanzt vor sich hin. Das kann schon mal bis in die frühen Morgenstunden so gehen. Wo sonst auf der Welt wäre das denkbar?

Ungewöhnlich ist auch, dass Nimbin ein eigenes Sozialamt hat, obwohl es eigentlich recht klein ist. Kaum einer hier in der Stadt geht einer geregelten Arbeit nach. Demnach leben fast alle von Sozialleistungen. In den Läden braucht man zwar viel Personal, aber die meisten machen das als Volontär, das heißt sie werden nur weit unter dem Durchschnitt bezahlt und die Bezahlung kommt ohne Steuer zu den Sozialleistungen dazu.

Trommeln am Freitagabend
Nimbin am Tage

Touristen fühlen sich von Nimbin angelockt. Ganze Reisebusse bringen junge Leute für einen Tagesausflug von einem der Küstenorte hierher, damit sie ihre Vorräte aufzufüllen können.

Wir bleiben bis nach Weihnachten hier in Nimbin bei Ian, der nicht nur ein Althippie sondern auch ein Schulfreund von Win ist. Ian arbeitet Teilzeit in der Hemp Embassy, einem Laden, der alle möglichen Sachen aus Hanf und für Hanf hat. Er ist dort spezialisiert auf Produkte für den Hanfanbau wie z.B. Literatur zum Thema oder Dünger. Dabei hat er selber noch nie Hanf angebaut und er konsumiert das auch nicht. Eigentlich hat Ian Geschichte und Englische Literatur studiert. Er könnte ohne Weiteres einen gut bezahlten Job als Lehrer haben. Das Problem ist nur, dass er dann Verpflichtungen und geregelte Arbeitszeiten hätte. Da er beides nicht will, hat er sich für Sozialhilfe und Hemp Embassy entschieden. Schade.

Weihnachtsfeier bei der Hemp Embassy: Ian (re) und sein Kollege von den Nimbin News auf dem Bowl-Platz

Ian teilt sich ein Haus mit Nick, der ebenfalls ein Althippie ist. Die beiden sind ledig und haben 5 km von Nimbin entfernt ein Haus gemietet, das zwar alt aussieht, aber erst seit drei Jahren hier steht. Es ist eines der transportablen Häuser, die in zwei Teile zerlegt und mit Hilfe riesiger Transporter schnell mal den Ort wechseln können. Nick scheint auch ein hoffnungsloser Fall zu sein. Er war mal Komiker, aber davon ist nicht mehr viel übrig. Als er noch aktiv war, hat er auf der Bühne den alten, runtergekommenen Kiffer aus Nimbin gespielt. Als sein Bruder ihn sah, konnte der laut Nick Wirklichkeit und Schauspiel nicht mehr auseinanderhalten. Aber Nick hat das gar nicht verstanden. Nach meiner Auffassung hat  Nick für diese Rolle nicht viel Aufwand treiben müssen.

Das transportable Haus von Ian und Nick

Rund um Nimbin ist es schön hügelig und man findet  sattgrünen Regenwald mit Pflanzen, die wir in Europa mühsam in Töpfen kultivieren. Es ist subtropisch warm mit viel Regen. Da wachsen wild am Wegesrand blaue Hortensien oder die Pflanzen mit den riesigen glänzenden Blättern, die dann die länglichen Löcher kriegen.

Ein schreckliches Erlebnis verbinde ich allerdings auch mit diesem Regenwald. Wir waren vor zwei Tagen auf einem Spaziergang, ein schmaler Wanderweg führte durch den dichten Wald. Plötzlich sah ich an der Innenseite meines Knöchels etwas baumeln, wie ein schwarzer Regenwurm. Das ließ sich gar nicht so einfach abschütteln und ich habe erst mal laut gebrüllt und bin dann in Panik und schreiend zum Auto zurück gerannt. Diese Dinger sind ähnlich unseren Blutegeln, sitzen in den Pflanzen und warten bis einer kommt, den sie aussaugen können. Man spürt sie nicht und eigentlich sind sie harmlos, aber eben eklig.

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